Wer eine Weihnachtspyramide selber bauen will, die sich allein mit Kerzenwärme dreht, braucht vor allem drei Dinge im richtigen Maß: ein Flügelrad mit gleich geneigten Flügeln, eine Welle, die fast ohne Reibung auf einer Spitze steht, und genug Höhe zwischen Kerze und Flügel. Der folgende Plan, eine eigene Konstruktion dieser Seite, beschreibt eine einstöckige Tischpyramide mit vier Kerzen: Grundplatte 280 × 280 mm, Gesamthöhe 357 mm, Flügelrad rund 300 mm Durchmesser.
Die Säulen stehen auf den beiden Mittellinien, die Kerzen auf den Diagonalen. So steigt die warme Luft zwischen den Armen des Kopfkreuzes nach oben und trifft die Flügel, statt sich unter einer Leiste zu stauen.
Die Tischpyramide besteht aus 25 zugeschnittenen Holzteilen. Die Maße stehen als Länge × Breite × Stärke in Millimetern, runde Teile als Durchmesser × Stärke.
| Bauteil | Anzahl | Material | Maß in mm |
|---|---|---|---|
| Grundplatte | 1 | Multiplex Birke | 280 × 280 × 12 |
| Säule | 4 | Buche-Vierkantleiste | 300 × 15 × 15 |
| Kopfkreuz-Leiste | 2 | Buche-Leiste | 265 × 20 × 10, mittig Ausklinkung 20 breit, 5 tief |
| Drehteller | 1 | Pappelsperrholz | Ø 160 × 6 |
| Flügelnabe | 1 | Buche (Rundholzscheibe oder Leimholz) | Ø 60 × 20 |
| Flügelstab | 8 | Buche-Rundstab Ø 8 | 140 lang, am Ende Schlitz 3 breit, 110 tief |
| Flügel | 8 | Pappelsperrholz | 110 × 40 × 3 |
Eine Ausklinkung ist eine rechteckige Aussparung bis zur halben Leistenstärke. Werden beide Leisten an dieser Stelle ausgeklinkt und ineinandergesteckt, liegt das Kreuz in einer Ebene (Überblattung).
Werkzeug: Stich- oder Laubsäge, Bohrmaschine möglichst im Bohrständer, Forstnerbohrer passend zur Lagerschale, Holzbohrer 2, 4, 5 und 8 mm, Metallsäge und feine Feile für die Welle, Zirkel.
Die gesamte drehende Last, also Welle, Drehteller, Figuren und Flügelrad, ruht auf der Spitze der Welle in der Lagerschale. Dieses Spitzlager berührt die Schale nur in einem Punkt. Die Reibung bleibt dadurch so gering, dass die schwache Kraft der Warmluft genügt. Das Messingrohr im Kopfkreuz trägt kein Gewicht, es hält die Welle nur seitlich in der Senkrechten. Als Bodenlager für den Kerzenbetrieb nennt die Rennert-Anleitung Glas, Keramik oder Metall.
Angetrieben wird die Pyramide von der Luft über den Kerzen. Erwärmte Luft ist leichter als die kühlere Umgebungsluft und steigt deshalb auf (Auftrieb). Trifft dieser Luftstrom auf die schräg gestellten Flügel, lenkt er sie seitlich ab, und das Rad beginnt sich zu drehen.
Die Flügel stehen 45 Grad geneigt, alle in dieselbe Richtung. Physiker des Schülerlabors „Wunderland Physik“ der TU Chemnitz nennen diesen Winkel als den, bei dem die Pyramide am besten läuft: Steilere Flügel lassen mehr Luft vorbeistreichen, flachere werden eher nach oben gedrückt als nach vorn. In welche Richtung die Flügel kippen, bestimmt nur die Drehrichtung.
Für den Winkel genügt eine Schablone: ein rechtwinkliges Dreieck aus Pappe mit zwei gleich langen Katheten von 40 mm. Die acht Flügelstäbe sitzen in radialen Bohrungen Ø 8 mm, 15 mm tief, mittig in der Kante der Nabe. Bei acht Flügeln liegen die Bohrungen 45 Grad auseinander. Für andere Nabengrößen oder Flügelzahlen rechnet das Feld unten die Teilung aus.
Teilung der Flügelnabe
Teilung 45,0 Grad je Flügel. Abstand der Bohrmitten auf dem Umfang: 23,6 mm (Bogen). Zirkelöffnung zum Abtragen: 23,0 mm.
Mit der Zirkelöffnung werden die Bohrmitten reihum auf dem Nabenrand abgetragen. Geht die letzte Teilung nicht genau auf, wird die Öffnung um einen Bruchteil korrigiert und neu angesetzt, bis der Kreis schließt.
In diesem Plan liegen zwischen Kerzenoberkante und Flügelunterkante rund 206 mm, gerechnet für Pyramidenkerzen bis 100 mm Länge in 15 mm hohen Tüllen. Die Höhe ergibt sich aus Grundplatte (12 mm), Säulen (300 mm), Kopfkreuz (10 mm) und 15 mm Luft bis zur Nabe. Wer die Säulen kürzt, verkürzt diesen Abstand im selben Maß. Das Arbeitsblatt zur Weihnachtspyramide der Lehrerfortbildung Baden-Württemberg nennt den Kerzenabstand ausdrücklich als Größe, die wegen der Brandgefahr nicht zu klein werden darf.
Die Kerzen stehen in Metalltüllen auf Metall-Tropftellern, nie direkt auf Holz. Die Bauanleitung von U. Rennert warnt ausdrücklich davor, einen Holzteller als Teller für echte Kerzen zu nehmen, und nennt Glas- oder Metallteller. Seitlich bleiben zwischen Kerze und Drehtellerrand rund 54 mm. Figuren auf dem Teller sollten deshalb mindestens 10 mm vom Rand entfernt stehen und nicht höher als 70 mm sein. Eine brennende Pyramide bleibt nie unbeaufsichtigt.
| Beobachtung | Wahrscheinliche Ursache | Abhilfe |
|---|---|---|
| Rad läuft nach Antippen nur kurz nach | Spitze stumpf oder außermittig, Schale verschmutzt | Spitze nachfeilen und glätten, Schale reinigen |
| Welle schleift spürbar im Rohr | Kopfkreuz versetzt, Welle steht schräg | Lot prüfen; Kreuz lösen und über der Schalenmitte neu befestigen |
| Rad eiert sichtbar | Welle krumm oder Nabe schief gebohrt | Welle auf einer glatten Fläche rollen, krumme ersetzen; Nabe neu bohren |
| Dreht mit Kerzen langsam oder ruckelt | Flügel unterschiedlich geneigt oder zu steil bzw. zu flach | Alle Flügel mit der Schablone auf 45 Grad stellen |
| Läuft an manchen Tagen, an anderen nicht | Luftzug im Raum | Vor eine Wand stellen, fern von Tür, Fenster und Heizkörper |
| Kommt nicht in Gang | Zu wenig Wärme unter den Flügeln | Alle vier Kerzen anzünden, Flamme abwarten, Flügel nicht kürzer als im Plan |
Das Arbeitsblatt der Lehrerfortbildung Baden-Württemberg nennt Anstellwinkel, Flügelzahl, Kerzenzahl und Kerzenabstand als Einflussgrößen und rät, die Pyramide vor einer Wand aufzustellen, weil sie auf Luftströmungen empfindlich reagiert.
Ein Bausatz bringt vorgesägte Teile und in der Regel das passende Lager mit; Form und Größe stehen fest. Mit einem eigenen Plan wie diesem sind Maße und Figuren frei wählbar, dafür werden Welle, Lagerschale, Stellringe und Tüllen einzeln besorgt.
Größer geht, wenn alle Holzmaße im selben Verhältnis wachsen. Mit dem Flügelrad wächst aber das Gewicht auf der Spitze, deshalb braucht eine deutlich größere Pyramide eine stärkere Welle, ein größeres Lager und mehr Kerzen. Für draußen taugt der Kerzenantrieb nicht, weil schon Luftzug im Zimmer den Lauf stört. Für den Betrieb im Freien bräuchte die Pyramide einen anderen Antrieb, etwa einen Elektromotor; dafür ist dieser Plan nicht ausgelegt. Einen elektrischen Antrieb mit regelbarem Getriebemotor beschreibt die Rennert-Anleitung für eine Zimmerpyramide.
Quellen: TU Chemnitz, Adventskalender 2013, Beitrag mit dem Schülerlabor „Wunderland Physik“ (Flügelneigung 45 Grad); Lehrerfortbildung Baden-Württemberg, Arbeitsblatt 4807 Energieeffizienz Weihnachtspyramide (Einflussgrößen, Aufstellung, Brandgefahr); U. Rennert, Bauanleitung Pyramide (Kerzenteller, Bodenlager, elektrischer Antrieb einer Zimmerpyramide). Maße und Höhenrechnung stammen aus dem Plan dieser Seite. Stand: Oktober 2026.
https://www.bauplan-bauanleitung.de/diverse/weihnachtspyramide-selber-bauen/