Start /Möbel

Eckschrank selber bauen

In fast jeder Küche gibt es sie: die Ecke, in der zwei Zeilen aufeinandertreffen. Rein rechnerisch steckt dort der meiste Stauraum der ganzen Küche – praktisch ist es oft der Ort, an dem der Entsafter seit vier Jahren verschwunden ist.

Ein Eckschrank löst das, wenn er richtig geplant ist. Und genau daran scheitern die meisten Eigenbauten: nicht am Zusammenbauen, sondern an den Maßen. Diese Anleitung nimmt deshalb die Planung vorweg, bevor es an den Zuschnitt geht.

 

Welche Ecklösung passt zu deiner Küche?

Es gibt vier gängige Bauarten. Sie unterscheiden sich weniger im Aufwand als darin, wie gut du später an den hinteren Bereich kommst.

Vergleich von vier Ecklösungen für die Küche: Diagonalschrank, Karussellschrank, Schwenkauszug und Blindboden mit Vor- und Nachteilen

Für den Selbstbau sind zwei Varianten realistisch. Der Diagonalschrank steht schräg in der Ecke und nutzt den Platz am besten aus – dafür muss die Frontbreite berechnet werden. Der Karussellschrank behält den rechten Winkel und arbeitet mit runden Drehböden.

Schwenkauszüge wie Le Mans oder Magic Corner sind komfortabel, aber teuer und verlangen millimetergenaue Beschlagmontage. Für einen selbst gebauten Korpus ist das ein unnötiges Risiko.

Diese Anleitung beschreibt den Diagonalschrank mit Drehboden – die Kombination aus beidem.

 

Die Maße: Anschlussmaß und Frontbreite

Der wichtigste Wert ist das Anschlussmaß: Wie weit reicht der Eckschrank an jeder Wand entlang? Üblich sind 90 cm, bei großen Küchen auch 100 oder 110 cm. Die Schranktiefe beträgt in aller Regel 60 cm, weil die Arbeitsplatte darauf aufliegt.

Aus diesen beiden Werten ergibt sich die Frontbreite von selbst:

Frontbreite = 1,41 × (Anschlussmaß − Schranktiefe)

Grundriss eines Diagonal-Eckschranks mit Anschlussmaß 90 cm, Schranktiefe 60 cm, Frontbreite 42 cm und Drehboden mit 70 cm Durchmesser

Bei 90 cm Anschlussmaß und 60 cm Tiefe kommst du auf 42 cm Frontbreite – eine bequeme Türbreite. Bei 100 cm sind es 57 cm, bei 110 cm schon 71 cm. Ab etwa 60 cm Frontbreite solltest du über zwei Türflügel nachdenken, sonst schwingt die Tür weit in den Raum.

Wichtig vor dem Zuschnitt: Miss die Ecke nach. Wände sind selten im rechten Winkel. Weicht die Ecke ab, richtest du den Korpus rechtwinklig aus und gleichst den Spalt später mit einer Blende an der Wand aus – nicht umgekehrt.

 

Der Höhenaufbau

Ein Küchenunterschrank besteht aus drei Lagen, die zusammen die Arbeitshöhe ergeben.

Höhenaufbau eines Küchenunterschranks aus Sockel 10 cm, Korpus 72 cm und Arbeitsplatte 4 cm mit 86 cm Arbeitshöhe und Drehachse

Die Standardhöhe von 86 cm passt nicht zu jedem. Als Faustregel gilt: Die Arbeitsplatte sollte rund 10 bis 15 cm unter der Ellenbogenhöhe der Person liegen, die am häufigsten kocht. Wer größer ist, erhöht am einfachsten über den Sockel – 15 cm statt 10 cm ergeben 91 cm Arbeitshöhe, ohne dass der Korpus geändert werden muss.

 

Materialliste für den Eckschrank

Für einen Diagonalschrank mit 90 cm Anschlussmaß, 60 cm Tiefe und 72 cm Korpushöhe:

  • 2 Seitenwände, 60 × 72 cm, 19 mm beschichtete Spanplatte
  • 1 Boden und 1 Deckel, jeweils passend zum Fünfeck-Grundriss
  • 2 Rückwände, je 90 × 72 cm, 5 mm HDF
  • 1 Frontblende schräg, 42 × 72 cm (Tür), 19 mm
  • 1 Drehbeschlag mit zwei Böden, Ø 70 cm, kugelgelagert
  • 2 Topfbänder, gekröpft, 110 Grad Öffnungswinkel
  • 4 höhenverstellbare Sockelfüße, 100 mm
  • Sockelblende 10 cm, Umleimer für alle Sichtkanten
  • Holzdübel 8 mm, Korpusverbinder, Spanplattenschrauben 4 × 40 mm

Werkzeug: Tauchsäge mit Führungsschiene oder Zuschnitt im Baumarkt, Bohrmaschine, Dübelhilfe, Winkel, Wasserwaage, Stichsäge für den Schrägschnitt, Kantenbügeleisen.

Tipp zum Zuschnitt: Lass Boden und Deckel im Baumarkt zuschneiden und nimm eine Skizze mit den Maßen mit. Der Fünfeck-Zuschnitt mit der Handkreissäge ist die einzige Stelle, an der Ungenauigkeit später wirklich stört.

 

Bauanleitung Schritt für Schritt

1. Schritt: Boden und Deckel zuschneiden

Boden und Deckel sind identisch und haben die Form eines Fünfecks: zwei Schenkel von 90 cm entlang der Wände, zwei Kanten von 60 cm zu den Nachbarschränken und die 42 cm lange Schrägkante vorn.

Zeichne die Form zuerst auf der Platte auf und prüfe die Diagonale mit dem Zollstock, bevor du sägst. Fällt sie um mehr als 2 mm daneben, stimmt einer der rechten Winkel nicht.

2. Schritt: Die Seitenwände setzen

Die beiden 60 cm breiten Seitenwände stehen an den Anschlussstellen zu den Nachbarschränken. Verbinde sie mit Boden und Deckel über Holzdübel und Korpusverbinder.

Kontrolliere nach jedem Element mit dem Winkel. Ein Korpus, der sich verzieht, lässt sich später nicht mehr geraderücken – die Tür schließt dann nie sauber.

3. Schritt: Rückwände einsetzen

Die beiden HDF-Rückwände laufen an den Wandschenkeln entlang. Sie tragen kaum Last, versteifen den Korpus aber gegen Verwinden. Setze sie stumpf ein und verschraube sie im Abstand von rund 15 cm.

4. Schritt: Sockel und Ausrichtung

Montiere die vier verstellbaren Füße und stelle den Korpus in die Ecke. Jetzt wird ausgerichtet: erst waagerecht in beide Richtungen, dann die Höhe auf die Nachbarschränke abstimmen.

Nimm dir hier Zeit. Alle folgenden Schritte bauen darauf auf, und eine schiefe Arbeitsplatte fällt jeden Tag auf.

5. Schritt: Den Drehbeschlag einbauen

Der Drehbeschlag wird mittig auf dem Boden verschraubt. Wichtig ist, dass die Achse senkrecht steht – prüfe das mit der Wasserwaage an der Achse selbst, nicht am Boden.

Bohre die Achslöcher beider Drehböden gemeinsam, indem du sie aufeinanderlegst. So laufen sie zentriert und schleifen später nicht an der Korpuswand.

Halte rings um die Böden mindestens 1,5 cm Abstand zur Wandung ein.

6. Schritt: Tür anschlagen

Die schräge Tür wird mit gekröpften Topfbändern angeschlagen. Achte auf einen Öffnungswinkel von mindestens 110 Grad, sonst blockiert die Tür den Zugriff auf den Drehboden.

Stelle das Fugenbild zu den Nachbartüren ein, bevor du die Griffe bohrst.

7. Schritt: Arbeitsplatte und Blenden

Zum Schluss kommt die Arbeitsplatte auf. Der Zuschnitt folgt dem gleichen Fünfeck wie der Deckel, jedoch mit Überstand nach vorn.

Verbleibende Spalten zur Wand deckst du mit einer Wandanschlussleiste ab, den Sockelbereich mit der Sockelblende.

 

Drei Fehler, die immer wieder passieren

  • Die Frontbreite geschätzt statt gerechnet. Wer die Tür einfach mit 45 oder 50 cm ansetzt, bekommt entweder einen Spalt zur Nachbartür oder eine Front, die nicht aufgeht.
  • Zu große Drehböden. Ohne Abstand zur Wandung schleift der Boden nach kurzer Zeit und blockiert. 1,5 cm rundum sind das Minimum.
  • Die Ecke nicht nachgemessen. Kaum eine Wandecke hat exakt 90 Grad. Wird der Korpus an die Wand angepasst statt rechtwinklig gebaut, verzieht sich alles Weitere mit.

Und wenn die Ecke schon steht? Ein vorhandener Eckschrank lässt sich fast immer nachrüsten. Drehböden und Rondelle gibt es als Einbausatz für rechtwinklige Korpusse – das ist deutlich weniger Aufwand, als den Schrank neu zu bauen, und löst das eigentliche Problem, nämlich die Erreichbarkeit.

Anleitung zum Mitnehmen

Materialliste, Bauzeichnung und alle Schritte auf einer Seite – zum Ausdrucken oder als PDF speichern. Kostenlos und ohne Anmeldung.

Anleitung drucken oder als PDF speichern