Lehm ist ein sehr traditioneller Baustoff, der allerdings etwas in Vergessenheit geraten ist. Erst seit einigen Jahren und im Zuge der modernen biologisch-ökologischen Bauweise wurde Lehm als Baumaterial wiederentdeckt. Allerdings eignet sich Lehm nicht nur zum Verputzen und Gestalten von Innenwänden oder Decken, sondern kann auch für den Bau eines traditionellen Lehmofens verwendet werden. In einem solchen Lehmofen können dann beispielsweise Brote gebacken, aber auch andere Speisen wie Pizza oder Fleisch können zubereitet werden. Der Selbstbau eines Lehmofens bietet außerdem zwei Pluspunkte. Zum einen entstehen nur vergleichsweise geringe Kosten beim Bau eines solchen Ofens, zum anderen eignet sich der Selbstbau eines Lehmofens hervorragend als Bauprojekt für die ganze Familie. Wie ein einfacher Ofen aus selbstgemachten Lehmziegeln gebaut werden kann, beschreibt die folgende Bauanleitung.

Materialliste für den Lehmofen

Für einen Lehmofen, der etwa 80cm hoch ist und einen Quadratmeter Platz in Anspruch nimmt, werden folgende Materialien benötigt:

  • Lehmofen Bauanleitungetwa ein halber Kubikmeter Lehm
  • etwa ein viertel Kubikmeter Sand
  • etwa ein viertel Kubikmeter Sägemehl
  • etwa ein viertel Kubikmeter grober Kies
  • Schamotte- oder Klinkersteine für ein 1 Quadratmeter großes Fundament
  • 2 Strohballen oder 1 Strohballen und eine Pressspanplatte
  • 2 einfache Tontöpfe
  • Wasser

 

Bauanleitung für den Lehmofen

Lehmofen Bauanleitung zum selber bauen

 

1. Das Fundament bauen

Das 1 x 1 Meter Fundament des Lehmofens wird aus Schamotte- oder Klinkersteinen gebaut. Über die Steinschicht wird der Kies verteilt. Der Kies macht es später recht einfach, die Lehmziegeln ohne große Fugen auszurichten. Als Alternative ist aber auch möglich, das Fundament aus Lehm herzustellen.

 

2. Die Lehmziegeln herstellen

Bevor der Lehm verarbeitet werden kann, muss er etwas eingeweicht werden. Dafür wird der Lehm in einen nicht zu großen Baukübel oder eine Wanne gefüllt, mit Wasser vermischt und kräftig geknetet. Wichtig dabei ist, dass sich alle Lehmklumpen auflösen. Da das Kneten von Lehm auf Dauer ganz schön anstrengend sein kann, ist es sinnvoll, den Lehm in mehreren kleinen Mengen einzuweichen. Anstelle der Hände kann der Lehm dabei auch mit den Füßen bearbeitet werden.

Wenn der Lehm aufgeweicht ist, kann die Herstellung der Lehmziegel beginnen. Dazu werden zwei Teile Lehm mit jeweils einem Teil klein geschnittenem Stroh, Sägemehl und Sand vermischt. Aus dieser Mischung werden dann Lehmziegel geformt, die etwa die Größe von Backsteinen haben sollten. Die geformten Lehmziegel werden dann auf einer Folie ausgelegt und sollten gut eine halbe Stunde lang antrocknen.

 

3. Den Lehmofen bauen

a.) Auf die Kiesschicht werden nun die ersten Lehmziegeln gelegt und möglicht ohne Fugen in einer Ebene ausgerichtet. Eventuell vorhandene Fugen und Spalten werden mit Lehm ausgefüllt. Die Öffnung für die Tür wird dabei von Beginn an gearbeitet. Ist noch keine Tür vorhanden, kann ersatzweise ein einfacher Rahmen aus drei Brettern verwendet werden. Grundsätzlich wäre natürlich auch möglich, auf eine Tür zu verzichten und die Öffnung beim Backen mit Lehmziegeln zu verschließen. Auf Dauer ist dies aber recht umständlich. Als Tür eignet sich eine einfache Metallplatte am besten, die an zwei oder drei Punkten am Ofen befestigt wird. Um die Türöffnung herum wird der Ofen nun Schicht für Schicht aufgebaut. Damit der Ofen allerdings stabil wird, müssen sich die einzelnen Lehmziegeln miteinander verbinden. Aus diesem Grund müssen die einzelnen Schichten jeweils angetrocknet werden. Ist eine Schicht fertig, werden die obersten Lehmziegeln daher angefeuchtet und mit Blättern oder Ästen abgedeckt. Im Ofeninneren wird dann ein kleines Feuer angezündet, das bewirkt, dass die Ziegeln richtig antrocknen.

b.) Eine Ziegelreihe über der Öffnung beginnt dann die Kuppel des Lehmofens. Hierbei gibt es mehrere Möglichkeiten. Eine Möglichkeit ist, eine Platte aus Pressspann zu einem Bogen zu formen. Noch etwas einfacher ist es allerdings, einen Strohballen zu einem Halbkreis zuzuschneiden, der dann auf einige Bretter gelegt wird. Dadurch kann das Stroh später recht einfach wieder aus dem Ofen genommen werden, wenn diese Ziegelschicht ausgebrannt wird. Nun werden die nächsten Lehmziegeln aufgelegt, bis die Kuppel vollständig umbaut ist. Allerdings werden in die Kuppel zwei Löcher eingearbeitet, die als Rauchabzug dienen. Dazu werden einfach die beiden Blumentöpfe in das Gebilde gesteckt. Wenn der Lehm getrocknet ist, lassen sich die Blumentöpfe ganz einfach herausnehmen.

c.) Wenn der Lehmofen fertig gemauert ist, sollte er mehrere Male ausgebrannt werden, damit er die richtige Festigkeit entwickelt. Dazu wird ein Feuer im Ofeninneren angezündet, wobei die Tür und die Öffnungen in der Kuppel offen bleiben. Beim späteren Backen werden dann die Tür und die Öffnungen in der Kuppel mit den Blumentöpfen verschlossen, wenn der Ofen aufgeheizt ist. Das Ausbrennen kann aber selbstverständlich schon mit den ersten Backproben kombiniert werden. Es kann allerdings passieren, dass sich beim Ausbrennen kleine Risse bilden. Die Risse entstehen durch das Aufheizen und werden mit etwas Lehm verspachtelt.

Und hier noch eine andere Variante eines Lehmofens.