Vinyl verlegen: In 6 Schritten zum neuen Boden

Aktualisiert am 18. Juni 2020 von Ömer Bekar

Infos zu Vinyl verlegen
Vinyl ist direkt nach dem Verlegen begehbar.

Ob dekoratives Muster, Holz-, Stein- oder Fliesenoptik, einfarbig oder bunt: Den Vinylboden gibt es in unzähligen Designs. Außerdem ist er unempfindlich, hoch abriebfest und pflegeleicht. Deshalb macht ein Bodenbelag aus Vinyl in vielen Räumen eine gute Figur. Aber es gibt noch einen großen Pluspunkt: Ein Vinylboden ist sehr einfach zu verlegen. Selbst wenn ihr keine geübten Heimwerker seid, könnt ihr den neuen Boden selbst in Angriff nehmen. Zumal ihr für den Zuschnitt auch keine Werkzeuge wie zum Beispiel die Säge braucht. So gibt es dann auch weder Lärm noch Staub. In diesem Ratgeber erklären wir, wie ihr einen Boden aus Vinyl verlegen und was ihr dabei beachten solltet.

Vinyl ist nur die Kurzbezeichnung. Denn eigentlich besteht ein Vinylboden aus Polyvinylchlorid oder kurz PVC. Und früher gab es solche Bodenbeläge überwiegend als Meterware auf Rollen. Doch mittlerweile ist Vinyl auch in Form von Dielen erhältlich. Weil sie meist mit einem Klick-Mechanismus ausgestattet sind, wird auch von Klick-Vinyl gesprochen.

Das Material selbst ist ein weicher und elastischer Kunststoff. Das ist mit ein Grund dafür, warum sich ein Boden aus Vinyl einfach verlegen lässt. Um die Dielen zuzuschneiden, genügt nämlich ein Cuttermesser. Ein paar Kleinigkeiten müsst ihr aber trotzdem beachten. Wir erklären, wie das Verlegen von Vinyl funktioniert!

Schwimmende Verlegung oder vollflächig verkleben?

In aller Regel verlegt ihr einen Vinylboden schwimmend. Schwimmend heißt, dass die Dielen nur mit- und untereinander verbunden sind. Eine feste Verbindung mit dem Untergrund haben sie nicht. Das Vinyl liegt also im Prinzip lose auf dem Untergrund.

Es ist zwar auch möglich, einen Vinylboden vollflächig zu verkleben. Allerdings wird das eigentlich nur in Ausnahmefällen gemacht. So zum Beispiel

  • bei einer durchgehenden Fläche mit einer Größe von über 10 x 10 Metern.
  • in Bereichen wie Schaufenstern, vor großen Fensterfronten oder in Wintergärten, wo das Vinyl ständig direkter Sonneneinstrahlung ausgesetzt ist.
  • in Räumen, in denen eine normale Zimmertemperatur oder eine Bodentemperatur über 15 Grad nicht gewährleistet ist.
  • bei einer Verlegung im Bad. Hier erfolgt das Kleben aber weniger aus technischen, sondern eher aus hygienischen Gründen.

Möchtet ihr den Boden vollflächig verkleben, müsst ihr unbedingt darauf achten, dass es sich um ein Klebevinyl handelt. Denn viele Vinylböden sind für eine vollflächige Verklebung gar nicht geeignet.

Insgesamt ist es aber sowieso besser, wenn ihr euch für eine schwimmende Verlegung entscheidet. Denn zum einen ist der Bodenbelag dafür konzipiert. Und zum anderen geht es viel schneller und einfacher, Vinyl schwimmend zu verlegen. Außerdem könnt ihr den Boden so jederzeit wieder rausnehmen, zum Beispiel bei einem Umzug.

Vinyl verlegen – das Material und die Werkzeuge

Damit der Raum schon bald mit einem neuen Fußboden glänzen kann, braucht ihr folgendes:

  • Vinylboden – plant, je nach Grundriss des Zimmers, fünf bis zehn Prozent für den Verschnitt ein
  • Abstandshalter
  • Zollstock, Bleistift und Winkel
  • Cuttermesser
  • Gummihammer
  • Sockelleisten
  • Abdeckungen, Profile für den Übergang zum nächsten Raum, Silikon und evt. Dichtschnur

Je nach Untergrund in dem Zimmer benötigt ihr außerdem noch Ausgleichsmasse oder Fließspachtel. Eine spezielle Unterlage für Vinylböden kann ebenfalls sinnvoll sein. Dazu gleich mehr.

Vinyl verlegen – die Vorgehensweise Schritt für Schritt

Das eigentliche Verlegen von Klick Vinyl geht ziemlich schnell. Im Unterschied dazu können die notwendigen Vorarbeiten länger dauern. Außerdem braucht das Vinyl ein paar Stunden Zeit, um sich zu akklimatisieren. Aber der Reihe nach!

1. Schritt: den Untergrund vorbereiten

Vinyl erfordert einen festen, harten, glatten, ebenen und trockenen Untergrund. Die notwendigen Vorarbeiten richten sich deshalb nach dem Boden, der vorhanden ist:

  • Ein Teppichboden muss komplett entfernt werden. Gleiches gilt für mögliche Kleberreste.
  • Laminat oder Parkett, das schwimmend verlegt ist, müsst ihr abbauen. Denn es ist nicht möglich, zwei schwimmend verlegte Bodenbeläge übereinander zu schichten.
  • Einen intakten Holzboden, der vollflächig verklebt oder mit dem Untergrund verschraubt ist, müsst ihr nicht herausreißen. Hier genügt es, eine PE-Folie auszulegen. Die Folie dient einerseits als Trittschalldämmung und gleicht andererseits kleine Unebenheiten aus.
  • Ist der Raum gefliest, könnt ihr die Fliesen belassen. Damit eine ebene Fläche entsteht, füllt ihr nur die Fugen und abgeplatzte Stellen mit einer Bodenausgleichsmasse auf.
  • Einen Boden aus Kork grundiert ihr zuerst. Danach tragt ihr vollflächig eine Schicht aus mineralischem Fließspachtel auf.
  • Risse, Löcher und andere Unebenheiten in Estrich, die größer sind als zwei Millimeter, gleicht ihr mit Spachtelmasse aus.

Habt ihr diese Arbeiten erledigt, lasst ihr den Untergrund trocknen. Danach reinigt ihr ihn noch einmal gründlich, damit alle Staub- und Schmutzreste entfernt sind.

Nun könnt ihr noch eine spezielle Unterlage für Böden aus Vinyl verlegen. Erhältlich sind die Unterlagen dort, wo ihr auch den Vinylboden kauft. Die Unterlage stabilisiert den Boden zusätzlich und dämmt den Trittschall. Damit erhöht sie den Gehkomfort.

Ob eine Unterlage sinnvoll und notwendig ist, richtet sich zum einen nach dem Untergrund im Raum. Zum anderen spielt der Vinylboden selbst eine Rolle. Denn bei vielen Systemen ist die Unterseite schon beschichtet. Dann ist eine zusätzliche Unterlage überflüssig.

2. Schritt: das Vinyl besorgen und sich an das Raumklima anpassen lassen

Sind die Vorarbeiten abgeschlossen, ist der aufwändigste Teil geschafft. Spätestens jetzt wird es auch Zeit, den Vinylboden zu besorgen. Wenn ihr den Raum ausgemessen habt, berechnet ihr die Menge, indem ihr die Länge mit der Breite multipliziert. Rechnet dann noch fünf bis zehn Prozent dazu. Dieses Plus braucht ihr für den Verschnitt.

Die geschlossenen Kartons legt ihr dann nebeneinander in den Raum. Achtet dabei darauf, dass die Kartons eben und gerade liegen. Sonst könnten sich die Dielen verbiegen oder verformen.

In den Raum sollte es zwischen 18 und 25 Grad warm sein. Es sollte also normale Zimmertemperatur herrschen. Der Boden darf nicht kälter sein als 15 Grad.

Nun lasst ihr den Vinylboden 48 Stunden lang liegen. Denn so lange braucht das Material, um sich an das Raumklima anzupassen.

3. Schritt: die erste Dielenreihe lose auslegen

Bevor ihr mit der Verlegung beginnt, öffnet ihr mehrere Pakete und mischt die Dielen daraus miteinander. Dadurch sieht der fertige Boden später natürlich und lebendig aus. Würdet ihr die Kartons nacheinander verarbeiten, könnten die Übergänge zwischen den Paketen durch minimale Farbunterschiede zu sehen sein.

Dann nehmt ihr ein paar Dielen und legt sie lose nebeneinander in einer Reihe aus. Auf diese Weise könnt ihr ermitteln, ob und wie ihr die letzte Diele zuschneiden müsst.

Grundsätzlich gilt beim Verlegen von Vinyl: Eine Diele muss immer mindestens 30 cm breit sein.

Wird eure letzte Diele breiter als 30 cm, könnt ihr die erste Reihe mit einer ganzen Diele beginnen. Ansonsten müsst ihr die erste Diele soweit kürzen, dass ihr mit der letzten Vinyl-Diele in der Reihe über die Breite von 30 cm hinauskommt.

Bei dieser Gelegenheit solltet ihr auch gleich noch überschlagen, wie breit die letzte Reihe auf der anderen Seite vom Raum ungefähr sein wird. Hier kommt es nicht auf das genaue Maß an. Stellt ihr aber fest, dass es nur ein sehr schmaler Streifen werden wird, solltet ihr auch die Dielen der ersten Reihe der Länge nach etwas abschneiden.

Für den Zuschnitt verwendet ihr ein Cuttermesser. Dabei legt ihr einen Winkel oder einen anderen langen, geraden Gegenstand auf die Diele. Anschließend zieht ihr das Messer am Winkel entlang über die Oberfläche. Biegt ihr nun die eingeritzte Diele etwas, bricht sie an der Schnittkante auseinander.

4. Schritt: die erste Reihe vom Vinyl Boden verlegen

Das Vinyl verlegt ihr längs zum Lichteinfall und beginnt dabei in einer Zimmerecke. Ob ihr von links nach rechts oder von rechts nach links arbeitet, hängt von eurem Vinylboden ab. Die Richtung beim Verlegen ist auf der Verpackung angegeben.

Die Dielen für die erste Reihe vom Vinylboden klickt ihr zunächst nacheinander an den Stirnseiten zusammen. Danach richtet ihr die ganze Reihe so aus, dass auf den drei Seiten, die zu den Wänden zeigen, eine Dehnungsfuge vorhanden ist. Anschließend steckt ihr Abstandshalter zwischen das Vinyl und die Wände, um die Dehnungsfuge zu fixieren.

Wie breit die Dehnungsfuge sein sollte, richtet sich wieder nach dem Vinylboden:

  • Handelt es sich um ein Vollmaterial, sollte die Fuge rundherum mindestens 5 Millimeter breit sein.
  • Hat das Vinyl eine Trägerplatte aus HDF, sollte der Abstand zur Wand etwa 1,5 Millimeter pro Meter Boden betragen. Ist euer Raum zum Beispiel fünf Meter breit, sollte die Dehnungsfuge also mindestens 1,5 x 5 = 7,5 Millimeter breit sein.

Eine Besonderheit gilt, wenn auf dem Vinyl später sehr schwere Gegenstände wie zum Beispiel ein großer Schrank, eine ganze Küchenzeile oder ein Aquarium stehen werden. Durch das Gewicht kann sich der Vinylboden hier später nur noch zur anderen Seite hin bewegen. Aus diesem Grund solltet ihr die Dehnungsfuge dann an der Wand gegenüber doppelt so groß anlegen.

Die andere Möglichkeit ist, dass ihr die Möbelstücke vorher schon aufbaut und das Vinyl nur bis zum Sockel der Möbel verlegt.

Wieso eigentlich eine Dehnungsfuge?

Vinyl reagiert auf das Raumklima, indem es sich ausdehnt und zusammenzieht. Obwohl es sich um einen Kunststoff handelt, arbeitet Vinyl also ähnlich wie Holz. Würdet ihr keine Dehnungsfuge belassen oder die Fuge zu klein wählen, hätten die Bewegungen des Vinylbodens zur Folge, dass er sich mit der Zeit wölbt oder an den Kanten auseinandergeht.

Deshalb braucht ihr eine umlaufende Dehnungsfuge. Und das gilt nicht nur an den Wänden. Auch zu festen Einbauten wie Türrahmen, Treppen oder Rohren müsst ihr den Abstand einhalten.

5. Schritt: das übrige Vinyl verlegen

Die zweite Reihe vom Vinyl müsst ihr versetzt zur ersten Reihe verlegen. Ist von der ersten Reihe ein Reststück übrig, das breiter ist als 30 cm, könnt ihr die zweite Reihe mit diesem Abschnitt beginnen. Habt ihr kein Reststück übrig oder ist der Abschnitt schmaler als 30 cm, kürzt ihr eine neue Diele. Dabei ist es am einfachsten, wenn ihr diese Diele in der Mitte halbiert.

Die erste Vinyl-Diele der zweiten Reihe klickt ihr mit der langen Seite an der Vorreihe fest. Dann steckt ihr einen Abstandshalter in die Fuge zur Wand hin. So kann die Diele nicht mehr verrutschen.

Die nächste Diele klickt ihr zuerst an der Stirnseite mit der benachbarten Diele zusammen. Anschließend schiebt ihr die Diele längsseitig in die Dielen der Vorreihe ein. Wenn ihr nun noch leicht mit dem Gummihammer gegen die Vinyl-Dielen klopft, ist sichergestellt, dass sie fest zusammensitzen. Auf diese Weise macht ihr weiter, bis die zweite Reihe fertig ist.

Und keine Angst: In der Theorie klingt es schwerer, als es ist. Denn das Material lässt sich gut handhaben und durch die Form der Dielen erklärt sich die Vorgehensweise eigentlich von selbst.

Beim Verlegen der dritten und allen folgenden Reihen behaltet ihr das Schema bei. Denkt nur daran, das Vinyl mit Versatz zu verlegen. Das heißt: Ihr beginnt die Reihen immer abwechselnd einmal mit einer ganzen Diele (oder einem Zuschnitt wie in der ersten Reihe) und einer gekürzten Diele. Und vergesst die Dehnungsfuge nicht!

Vinyl in Nischen und an festen Einbauten verlegen

Ein Zimmer hat selten eine exakt viereckige Form. Deshalb werdet ihr vermutlich an mehrere Stellen kommen, an denen ihr die Dielen zuschneiden müsst.

In einer Fensternische oder einem Erker zum Beispiel legt ihr die Diele zunächst an der entsprechenden Stelle an. Dann markiert ihr euch mit dem Bleistift die Schnittkante. Anschließend schneidet ihr die Diele zu und setzt sie ein.

Bei Leitungen und Rohren ist es ähnlich. Hier zeichnet ihr euch den Ausschnitt ebenfalls auf einer Diele an. Die Aussparung könnt ihr dann entweder mit dem Cutter einritzen und das Vinyl mit einem Hammerschlag herausbrechen. Oder ihr knipst das Vinyl mit einer Zange ab.

Eine weitere Möglichkeit wäre, das Loch mit der Stichsäge auszuschneiden. Denkt nur daran, die Aussparung so groß zu machen, dass eine Dehnungsfuge vorhanden ist. Nachdem ihr die Diele eingesetzt habt, könnt ihr das Loch mit einer Abdeckung kaschieren. Abdeckungen bekommt ihr dort, wo ihr auch das Vinyl gekauft habt.

Bei einer Tür ist es optimal, wenn ihr die Vinyl-Diele einfach unter die Türzarge schieben könnt. Ist das nicht möglich, solltet ihr das Vinyl so verlegen, dass ein Abstand von 3 bis 5 Millimetern zum Türrahmen bleibt. Den Spalt füllt ihr anschließend mit Silikon aus.

6. Schritt: die Sockelleisten montieren

Nach dem Verlegen könnt ihr das Vinyl sofort begehen. Anders als bei zum Beispiel Fliesen oder einem vollflächig verklebten Parkett müsst ihr nicht abwarten. Deshalb könnt ihr den neuen Bodenbelag gleich ganz fertig stellen.

Dafür sammelt ihr zuerst alle Abstandshalter ein. Anschließend bringt ihr die Sockelleisten an. Die Leisten decken die Dehnungsfuge ab und sorgen so für einen schönen und ordentlichen Abschluss. Je nach System werden die Sockelleisten mit Dübeln befestigt, verschraubt oder angeklebt. Dabei werden die Leisten aber immer an der Wand angebracht, nicht am Fußboden!

Die einfachste und schnellste Lösung sind übrigens Sockelleisten zum Ankleben. Denn hier müsst ihr nur das Schutzpapier auf der Rückseite abziehen und könnt die Leisten dann an die Wand pressen.

Beim Verlegen von Vinylboden im Badezimmer solltet ihr ein Dichtband in die Dehnungsfuge einlegen, bevor ihr die Sockelleisten anbringt. Auch in Bereichen, in denen das Vinyl öfter feucht werden könnte, solltet ihr eine Dichtschnur in der Fuge verlegen.

Wie der Name schon andeutet, dichtet das Band ab und verhindert so, dass sich Feuchtigkeit in und unter den Vinylboden zieht. Gleichzeitig ist die Dichtschnur so flexibel, dass das Vinyl ungehindert arbeiten kann.

Für einen sauberen Abschluss vom Vinylboden befestigt ihr zum Schluss dort, wo das Vinyl in einen anderen Raum oder einen anderen Bodenbelag übergeht, noch Übergangsprofile. Fertig!