Drachen bauen: Bauanleitung mit Maßen und Zuschnittliste
Anders als ein gekaufter Drachen steht und fällt ein selbst gebauter Drachen mit zwei Maßen: der Länge der Leisten und dem Abstand des Kreuzungspunkts von der Unterkante. Beim klassischen Stabdrachen auf dieser Seite sind das eine Fichtenleiste von 100 x 1 x 0,5 cm, eine zweite von 85 x 1 x 0,5 cm und ein Kreuzungspunkt 69,5 cm über dem unteren Ende der Längsleiste. Wer mit weniger Werkzeug auskommen muss, findet weiter unten einen zweiten Bauplan: einen Foliendrachen aus einer Plastiktüte, zugeschnitten auf 45 x 40 cm, mit zwei Rundstäben von je 40 cm Länge. Beide Pläne stehen hier mit Zuschnittliste, Bohrbild und Maßskizze.
Welche Maße der klassische Stabdrachen braucht
Der Stabdrachen besteht aus zwei gekreuzten Fichtenleisten, einer umlaufenden Drachenschnur als Spannkante und einer Bespannung aus Drachenpapier oder Folie. Die Zuschnittliste für ein Gestell mit 85 cm Spannweite:
| Bauteil | Anzahl | Material | Länge x Breite x Stärke |
|---|---|---|---|
| Längsleiste | 1 | Fichtenholz | 100 x 1 x 0,5 cm |
| Querleiste | 1 | Fichtenholz | 85 x 1 x 0,5 cm |
| Bespannung | 1 | Drachenpapier oder Folie | Gestellmaß rundum plus 3 cm Überstand |
| Drachenschwanz | 1 | Drachenschnur mit Schleifen | 200 bis 300 cm |
Dazu kommen an Material und Werkzeug:
- Drachenschnur für Umspannung, Waage und Flugleine
- Klebstoff für Holz und für Papier oder Folie
- Feile für die Kerben an den Stirnseiten
- Bohrmaschine oder Akku-Schrauber mit 2-mm-Bohrer
Wo die Bohrungen sitzen
Alle Bohrungen haben 2 mm Durchmesser. Ihre Lage entscheidet über den Anstellwinkel im Wind, deshalb wird vor dem Bohren angerissen und nachgemessen.
| Bohrung | Leiste | Lage |
|---|---|---|
| 2 Waagepunkte | Längsleiste | je 15 cm von den Außenkanten entfernt |
| Schwanzbefestigung | Längsleiste | 1,5 cm vom unteren Ende entfernt |
| 2 Spannpunkte | Querleiste | je 2 cm von den Außenkanten entfernt |
An den vier Stirnseiten wird zusätzlich je eine etwa 2 mm tiefe Kerbe eingefeilt. Diese Kerben nehmen später die umlaufende Drachenschnur auf, damit sie beim Spannen nicht von den Leisten rutscht.
Wie Sie die Leisten verkreuzen und verleimen
a.) Die Querleiste wird mittig auf der Längsleiste ausgerichtet. Der Abstand zur Unterkante der Längsleiste beträgt 69,5 cm. Dieses Maß bestimmt, wie viel Segelfläche unterhalb des Kreuzes steht, und sollte nicht nach Augenmaß gesetzt werden.
b.) Verbunden werden die Leisten zweifach: zuerst mit Holzkleber, danach wird etwas Drachenschnur fest über Kreuz um die Verbindungsstelle gewickelt. Die Wicklung nimmt die Kräfte auf, die der Kleber allein bei Böen nicht hält.
c.) Anschließend wird die Umspannung gezogen. Die Drachenschnur wird um das Holzkreuz gelegt, in die eingefeilten Kerben eingelegt, festgezogen und verknotet. Diese Schnur bildet die Kante, an der später die Bespannung umgeschlagen wird.

Womit Sie den Drachen bespannen
Traditionell wird Drachenpapier verwendet, ebenso tragen Folie oder ein aufgeschnittener Müllsack. Das fertige Gestell wird auf das Material gelegt und dieses rundum etwa 3 cm größer zugeschnitten als das Gestell. Der Überstand wird über die gespannte Drachenschnur hinweg auf die Innenseite umgeklappt und verklebt. Die Bespannung wird dabei nicht stramm gezogen: Sie soll flächig anliegen, die Spannung trägt die umlaufende Schnur.
Drachenpapier, Folie oder Müllsack
Für die Bespannung des Stabdrachens kommen drei Materialien in Frage, die sich in Gewicht und Haltbarkeit unterscheiden.
Drachenpapier ist das leichteste der drei und das klassische Material. Es nimmt den Kleber gut an und lässt den Drachen schon bei wenig Wind steigen, reißt aber, sobald es nass wird oder über einen Ast streift. Folie ist schwerer, dafür reißfest und wetterunempfindlich; sie braucht etwas mehr Wind, überlebt aber eine Landung im feuchten Gras. Ein aufgeschnittener Müllsack ist die günstigste Variante und verhält sich wie Folie, hat aber Falten aus der Verpackung, die sich nicht vollständig glätten lassen und die Fläche unruhig machen.
Wer den Drachen mit Kindern baut und mit einer Bruchlandung rechnet, nimmt Folie. Wer Wert auf das Steigverhalten bei schwachem Wind legt, nimmt Drachenpapier.
Wo die Waage sitzt und warum der Drachen sonst nicht steigt
Die Waage ist die kurze Schnur zwischen Drachen und Flugleine. Sie stellt den Winkel ein, in dem der Drachen im Wind steht, und ist der Punkt, an dem die meisten selbst gebauten Drachen scheitern.
An den beiden Waagepunkten der Längsleiste wird eine Schnur so verknotet, dass ein Dreieck entsteht; die Flugleine kommt an dessen Spitze. An den Spannpunkten der Querleiste wird eine zweite Schnur verknotet und so angezogen, dass die Querleiste leicht gewölbt steht. Diese Wölbung und die Größe des Waagedreiecks bestimmen die Flugeigenschaften und werden verändert, wenn der Drachen nicht sauber steht.
Wie lang der Drachenschwanz sein muss
Der Schwanz wird am unteren Loch der Längsleiste befestigt und sollte zwischen 200 und 300 cm lang sein. Verziert wird er mit Rechtecken aus Drachenpapier oder Folie, die an die Schnur geknotet werden. Der Schwanz ist keine Dekoration: Er stabilisiert den Drachen und verbessert die Steig- und Segeleigenschaften.
Der zweite Bauplan: Foliendrachen aus einer Plastiktüte
Dieser Drachen kommt ohne Bohrmaschine und ohne Holz aus. Gebaut wird er aus einer stabilen Plastiktüte, einem Müllsack oder einer anderen Kunststofffolie. Die Segelfläche ist zugleich die Bespannung.
| Bauteil | Anzahl | Material | Maß |
|---|---|---|---|
| Segelfläche | 1 | stabile Plastiktüte oder Folie | Rechteck 45 x 40 cm |
| Eckquadrat zum Anreißen | 4 | Anriss auf der Folie | 11 x 11 cm |
| Rundstab | 2 | Holz | 40 cm lang, 0,5 cm Durchmesser |
| Drachenschwanz | 3 | Drachenschnur mit Schleifen | je 200 bis 300 cm |
| Waageschnur | 1 | Drachenschnur | 80 cm |
Dazu ein Papierlocher mit Klebeband oder eine Lochzange mit fünf kleinen Nieten, dazu Universalklebstoff.
Wie Sie die Folie anreißen und zuschneiden
Die Tüte wird an einer langen Seite aufgeschnitten, sodass ein Rechteck von 45 cm Breite und 40 cm Höhe entsteht. Der Umriss wird darauf angerissen: In den vier Ecken je ein Quadrat mit 11 cm Kantenlänge vorzeichnen, dann Linien von den inneren Ecken der unteren Quadrate zu den Außenecken der oberen Quadrate ziehen und in den oberen Quadraten die Diagonalen eintragen. Entlang dieser Linien wird die Folie ausgeschnitten.
Die beiden Rundstäbe werden anschließend aufgeklebt. An den fünf Punkten für Schnur und Schwänze wird die Folie verstärkt, entweder durch aufgeklebte Klebestreifen vor dem Lochen mit dem Papierlocher oder durch Nieten in Löchern aus der Lochzange. Ohne diese Verstärkung reißen die Löcher bei stärkerem Wind aus.
Die drei Schwänze kommen an die drei unteren Löcher. Durch die Löcher in den Ecken wird die 80 cm lange Waageschnur gezogen und verknotet; in der Mitte dieser Schnur wird eine kleine Schlinge gebunden, an der die Flugleine befestigt wird.

Welcher der beiden Baupläne zu wem passt
| Merkmal | Stabdrachen aus Leisten | Foliendrachen aus der Tüte |
|---|---|---|
| Spannweite | 85 cm | 45 cm |
| Gestell | 2 Fichtenleisten, verleimt und umwickelt | 2 aufgeklebte Rundstäbe |
| Werkzeug | Bohrmaschine, Feile | Papierlocher oder Lochzange |
| Bespannung | Drachenpapier oder Folie, umgeschlagen und verklebt | entfällt, Segelfläche ist die Bespannung |
| Schwänze | 1 Schwanz, 200 bis 300 cm | 3 Schwänze, je 200 bis 300 cm |
Woran es liegt, wenn der Drachen trudelt oder abtaucht
Fast alle Flugfehler lassen sich an der Waage und am Schwanz korrigieren, ohne dass der Drachen neu gebaut werden muss.
- Der Drachen kippt seitlich weg: Die Schnur an den Spannpunkten der Querleiste ist ungleichmäßig gespannt, die Wölbung auf beiden Seiten gleich einstellen.
- Der Drachen steigt nicht: Das Waagedreieck ist zu klein oder zu groß, die Knoten an den Waagepunkten versetzen und den Anstellwinkel verändern.
- Der Drachen schlägt aus und taucht ab: Der Schwanz ist zu kurz, ihn innerhalb der 200 bis 300 cm verlängern.
- Die Bespannung reißt an den Löchern: Klebestreifen oder Nieten als Verstärkung fehlen, die Löcher neu setzen und verstärken.
Geflogen wird nur fern von Stromleitungen, Bahnoberleitungen und Flugplätzen; wer den Drachen an einer Leine von mehr als 100 Metern steigen lässt, braucht nach § 20 LuftVO eine Erlaubnis der Luftfahrtbehörde.
Und wie es aussieht, wenn Drachen fliegen, zeigt dieses Video:
Anleitung zum Mitnehmen
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